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22/1984-86: "La Seconde Ajoutée", für zwei Klaviere

La Seconde Ajoutée (1984-86), für zwei Klaviere

 



Die Lust einen Flügel zu "knacken" und aus ihm andere Intervalle als Halbtöne herauszupressen ist der ersten Hälfte der XX Jahrhunderts zueigen. Man assoziiert damit hauptsächlich die Namen von Julián Carrillo (San Luis de Potosí - 1875; ciudad México -1965) und Iwan Wyshnegradsky (Leningrad - 1893 ; Paris -1979). In Paris konnten beide ihre Träume verwirklichen: 1930 liess Wyschnegradsky ein dreimanualiges Klavier mit mikrotonaligen Fähigkeiten bauen; 1958 baute die Firma Sauter  mikrotonale Flügel nach der Vorstellungen von Carrillo.

Weniger aufwendig hat sich die Praxis erwiesen, zwei normale Flügel zu benutzen und einen davon umzustimmen, z.B. einen Viertelton tiefer. In meiner Komposition La Seconde Ajoutée verwende ich oben genannte Vorgehensweise. Zusätzlich aber lasse ich die mittlere von den drei Saiten, die von dem Klavierhammer aktiviert werden, nochmals einen Viertelton  tiefer stimmen. Wenn mann dann eine Taste des Klaviers anschlägt, so erklingt der entsprechende Ton und gleichzeitig eine (verminderte) Sekunde, "La Seconde Ajoutée". Zum Beispiel, schlägt man die Taste C1 an, so erklingen gleichzeitig 261.62 und  254.17 Hertz, es enstehen Schwebungen mit einer Frequenz von  ca. 7.5 Herz. Somit kann man mit einem Tastendruck nicht nur Tonhöhen kontrollieren sondern auch Rhythmen erzeugen.

Das Werk entstand im Auftrag des Saarländischen Rundfunks zwischen 1984 und 1986 und wurde von Gunilde Cramer und Yukiko Sugawara uraufgeführt. Die "Hardware" Lösung der Umstimmung (die Klaviere werden tatsächlich umgestimmt) macht Aufführungen schwierig und selten, da die Veranstalter die damit verbundenen praktischen Probleme scheuen. Die Komposition wurde wieder öfters gespielt, als ich mittels einer elektronischen Schaltung eine "Software" Lösung sozusagen implementiert habe, (die Umstimmung wird elektronisch vorgenommen), wie in der heutigen Aufführung.

Ich bin ein frustierter Pianist. Die Liste von Kompositionen, die ich gerne gespielt hätte, ist sehr lang. Darunter rangieren die Scarlatti Sonaten an vorderster Stelle. In gewisser Art dienen sie sozusagen als Muster der Kompositionen von La Seconde Ajoutée. Die harmonische Sprache orientiert sich an mit der Technik der Frequenz Modulation generierten Spektren, die dann für Klavier "instrumentiert" wurden.

Sechs Kompositionen werden heute Abend gespielt:

Sul C,
Sarabande I,
A9-B11-C11…,
Sarabande II,
Salve y
Sul B.

Auftrag: Saarländischer Rundfunk

Uraufführung: Saarländischer Rundfunk

Tre Medi/Ricordi