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61/2009: "Iridiscente", für Orchester, Klangobjekte und Elektronik

IRIDISCENTE (2009), für Orchester, Klangobjekte und Elektronik

 

al Inti Tayta

Das Licht ist Ursprung der Farben. Unsere Sonne ist Ursprung des Lichts. Das Licht kann durch ein Prisma polarisiert werden,  dadurch  entstehen die sieben Spektralfarben.  Auf ähnliche Weise entsteht in der Natur der Regenbogen. Für die Kultur der Inkas und für die jetzigen indigenen Völker der Anden sind die Farben des Regenbogens ihre Nationalfarben.

Die Farbe Weiß ist die Summe aller  elektromagnetischen Schwingungen, die der Mensch mit den Augen wahrnimmt. Gruppen von Schwingungen mit benachbarten Frequenzen  werden als die verschiedenen uns bekannten Farben   wahrgenommen. Analog dazu ist in der Akustik  der "Weiße Rausch" die Summe aller hörbaren Schwingungen. Gruppen von Schwingungen mit benachbarten Frequenzen bilden  den sogenannten "farbigen Rausch", und zwar in sehr verschiedener Tonlage und  Bandbreite.

Ich habe mir diese Analogie für die Ausarbeitung von IRIDISCENTE zueigen gemacht.  Ich habe den gesamten Tonbereich in sieben Register eingeteilt und kombinierte diese Register auf verschiedene Arten, um unterschiedliche "Farben" zu erzeugen. Die Bandbreite des "farbigen Rausches" habe ich auf eine instrumentale kleine Terz festgelegt.

Die Rhythmik ist hauptsächlich von der "rhythmischen Obertonreihe",  (die Teilung einer "fundamentalen Dauer" in zwei, drei, vier, usw. gleiche Teile) abgeleitet. "Rhythmische Intervalle" werden durch das Zusammenklingen von zwei  periodischen Rhythmen erzeugt: z.b. eine "rhythmische Quinte" (2:3) ist das Zusammenklingen von zwei periodischen Impulsfolgen,  eine Folge von 2 und eine von 3 Impulsen. Diese Methode, Rhythmen zu erzeugen, wurde schon von Henry Cowell in seinem Buch  "New Musical Resources" (1930)  vorgeschlagen.

John Cage schuf die Praxis des "präparierten" Klaviers. Durch physische Interaktionen, (kreiert z. b. durch das Anbringen von   Schrauben zwischen die Saiten des Klaviers) hat er den "natürlichen" Klang des Klaviers modifiziert. In der Praxis der Elektronischen Musik kann man (um Instrumente zu "präparieren") physische Objekte durch elektronische Schaltungen ersetzen. Die Orchesterinstrumente und vorher aufgenommene Klänge ("Samples") interagieren miteinander durch die Technik des "morphings": die Samples übernehmen Spektren und Amplitudenkurven des Klanges der Instrumente.
Ein normaler Vorgang in der Praxis der Pop- und Rockmusik ist die elektronische Verstärkung der Instrumente, um große Räume zu beschallen. In  IRIDISCENTE werden die Orchesterinstrumente in 14 Gruppen  zusammengefaßt, um deren Klang im Raum zu verteilen. Diese Gruppen steuern  auch die  oben beschriebenen elektronischen Schaltungen.

Die Mikrotonalität ist wesentlich in dieser Komposition. Die korrekte Ausführung der vorgeschriebenen Notation ist sehr wichtig für die Erzielung der gewünschten Klangvorstellung. Dafür  muß  jeder Musiker  ein in "cents" geeichtes elektronisches Stimmgerät zur Verfügung haben. Ein in dem Instrument befestigster  Tonabnehmer muß stets mit dem Stimmgerät verbunden sein. Mit   Hilfe des Geräts kann der Musiker die in der Partitur vorgeschriebenen temperierten und nicht temperierten Tonhöhen problemlos ausführen.

Freiburg, d. 10 Dezember 2009

Mesias Maiguashca

Tre Media/Ricordi