84/2016: "Reading Beckett"

für Klavier, Violine, Violoncello und Elektronik (2016),
für das Mondstein Trio Freiburg komponiert.

Reading Beckett, Hearing Beckett

Ist Lyrik eine geschriebene Kunstform? Oder eine akustische? Der grösste Teil meiner Erfahrung  mit Lyrik besteht aus der Lektüre von geschriebenen Texten. Und oft (bei García Lorca zum Beispiel) bevorzuge ich noch immer die Lektüre eines Texte zu der gesprochenen Version. Ein geschriebener Text impliziert unendlich viele Möglichkeiten von akustischen Realisationen, der gesprochener Text ist nur eine davon. Die Lektüre von Becketts Texten ist eine sehr musikalische Erfahrung für mich. Schon bei einem ersten Kontakt erlebe ich Musik. Beim Wiederlesen des gleichen Textes erlebe ich jedoch eine andere Musik.

Für die Kompositionen Reading Beckett  und Hearing Beckett habe ich Fragmente von Molloy, Not I und Rockaby ausgewählt.

In Reading Beckett  "lesen" die drei Instrumente  Teile dieser Fragmente, und zwar, auf eine sehr eigenwillige Art und schaffen dabei kuriose Duos, Trios und Resonanzen.

In Hearing Beckett habe ich Tonaufnahmen der erwähnten Texte benutzt. Ich habe die Lautstärke  und agogischen Kurven daraus isoliert und auf die Vibrationen von Metallklängen übertragen. Die Metallobjekte "sprechen" sozusagen die Texte. Man hört Beckett durch die Klänge der Metallobjekte.