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39/1995-97: "Die Feinde", eine Minioper

Die Feinde, eine Minioper (1995-97)
Mesias Maiguashca: Libretto,  Musik
Tamás Waliczky:  Computergraphik
Musiktheaterszenen nach der Erzählung
Das geheime Wunder’ von Jorge L. Borges
für 2 Tenöre, Streichtrio,  2 Baßklarinetten und Elektronik

DAS GEHEIME WUNDER erzählt die Geschichte von J. Hladik, jüdischer Schriftsteller, 1942 von den Nazis in Prag verhaftet und anschließend zum Tode verurteilt. Gerade war er dabei, sein Drama DIE FEINDE zu konzipieren, er glaubte, daß dieses sein Hauptwerk sein würde. Er klagt Gott an und verlangt von ihm, die Zeit zu bekommen, das Werk zu vollenden ehe er stirbt. Am nächsten Tag feuern die Soldaten auf ihn, die Kugeln aber bleiben in der Luft stehen. Hladik versteht: Gott gewährt ihm die Zeit zur Ausarbeitung des Werkes. Fieberhaft schreibt er das Drama zuende; in dem Moment der Vollendung nehmen die Kugeln seine Lauf wieder auf und zerfetzen ihn.

Die Wirklichkeit, die wir erleben, ist womöglich nur in unserer Perspektive ‚wirklich’. Unsere Wahrnehmung von Zeit und Raum ist der Schlüssel für die Konstruktion unserer Version der Wirklichkeit. Aber schon irgendein Traum verzerrt diese Perspektive; denn er wird, solange er dauert, zur Wirklichkeit.

Es ist vor allem die Linearität der Zeit, die unsere Vorstellungen der ‚Realität’ bindet.  Die Infragestellung der Linearität der Zeit würde uns zutiefst verunsichern, würde die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verwischen. Wir suchen Halt in Ketten von Ursachen und Wirkungen. Jedoch wird der Verdacht immer stärker, wir könnten ähnlich wie Schachfiguren von fremder Hand herumgeschoben werden:
‚Die Schachfiguren wissen nicht, daß ein Spieler sie lenkt; der Spieler weiß nicht, daß ein Gott ihn lenkt; der Gott weiß nicht, welche anderen Götter ihn lenken...’ (Borges)

Es bleibt die Musik:


"Schopenhauer schreibt in Die Welt als Wille und Vorstellung, die Musik sei nicht weniger unmittelbar als die Welt; ohne Welt, ohne einen gemeinsamen Schatz an durch Sprache evozierbaren Erinnerungen gäbe es sicherlich keine Literatur, aber die Musik kann auf die Welt verzichten, es könnte Musik und keine Welt geben". (Borges)


Diese Komposition ist meinem Vater gewidmet, der bald nicht mehr unter uns sein wird. Nach altem Brauch nehmen die Indianer Proviant mit auf die lange Reise. Er möge diese Musik mitnehmen.

Auftrag: ZKM
Uraufführung: ZKM, 1997

Tre Media/Ricordi