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60/2008: "El Negro Bembón", für Klavier, Holz-Klangobjekte und Elektronik

El Negro Bembón (2008), für Klavier, Holz-Klangobjekte und Elektronik
Holz-Klangobjekte: Gabriel Maiguashca


La Belle: Kein Instrument subsummiert besser die europäische Konzertmusiktradition als das Klavier. Die Teilung einer Oktave in 12 (nahezu) gleiche Schritte definiert sowohl das Instrument als auch die von ihm generierte musikalische Praxis. Meisterwerke dieses Instruments  ("Das Wohltemperierte Klavier" von J.S. Bach sowie die atonalen und seriellen Werke von Schoenberg, Boulez und Stockhausen) markieren Anfang und Ende einer Epoche, nämlich die von der temperierten Musik. Auch Orchesterwerke und Opern wurden "am Klavier" komponiert.

Das Klavier ist als Instrument nahezu perfekt. Kurioserweise stand gerade diese Perfektion einer klanglichen Erweiterung im Wege. Cage, Carrillo und Wyschnegradsky mußten in ihren Werken für präpariertes Klavier, bzw. mikrotonalgestimmtes Klaviere diese Perfektion umgehen. Die Elektronik ist sozusagen eine andere Form ein Klavier zu "präparieren".

In "La Seconde Ajoutée" sind 2 Klaviere so gestimmt, daß das zweite Klavier einen Viertelton tiefer klingt als das erste. Dazu wird noch eine der drei Saiten, die vom Hammer aktiviert werden, einen  Viertelton nach unten gestimmt. Das bedeutet, daß eine Taste immer zwei Tonhöhen erzeugt, wobei die eine einen Viertelton tiefer ist als die andere. Es entstehen Schwebungen. Der Druck einer Taste erzeugt somit nicht nur Tonhöhen sondern auch Rhythmen. Wenn diese Stimmung an den Klavieren direkt vorgenommen wird, so ist das sehr aufwendig und wird von den Veranstaltern gescheut. Daher simuliere ich lieber diese Stimmung mit elektronischen Mitteln.

Die Komposition besteht aus 6 monothematischen Stücken, in etwa  von den Sonaten von D. Scarlatti "inspiriert". Das fünfte Stück lässt ein Volkslied erklingen. Die harmonische Sprache orientiert sich an Spektren, die mit der Technik der Frequenzmodulation erzeugt wurden.

La bête: Mit Gabriel Maiguashca zusammen habe ich ein "Holzklangobjekt" entworfen. Es besteht aus einer kubischen Metallstruktur; daran hängen kleine Holzskulpturen, die mit Bogen und Schlägeln "gespielt" werden. Man kann damit eine sehr große Palette von
Geräuschen und geräuschschaften Spektren erzeugen, jedoch nicht Klänge mit harmonischen Spektren, also Töne mit klaren Tonhöhen. Das Klangobjekt ist somit eine Art "Antithese" vom Klavier: was das Klavier spielen kann, kann das Klangobjekt nicht; was das Klangobjekt spielen kann das Klavier nicht.

In "Holz arbeitet II" hört man Holz arbeiten. Eine elektronische Schaltung steuert die versteckte Erscheinung eines Volkslieds, u. zwar, das gleiche, das in "La Seconde Ajoutée" zu hören ist.

In "El Negro Bembón" gehen La Belle et La bête zusammen ins Bett.
Mehrere Gedichte von Nicolás Guillén dienen als Rhythmus-Generatoren:

¿Po qué te pone tan bravo,
cuando te disen negro bembón,
si tiene la boca santa,
negro bembón?

Tre Media/Ricordi